Filmbesprechung 15: Der fremde Sohn (Changeling)

Eigentlich bin ich nicht so der große Fan von Clint Eastwood-Filmen. So was wie Mystic River sagt mir zwar durchaus zu, aber die schweren Themen halten mich nicht komplett gefesselt. Aber sagen wir mal so: Besser Eastwood (nur) hinter der Kamera, als (u.U. zusätzlich) vor der Kamera. Deswegen bin ich z.B. auch zwiegespalten wegen Gran Torino. Für Der fremde Sohn konzentrierte er sich auf die weibliche Hauptfigur und ließ alle anderen als klägliche Nebenfiguren verblassen. In Angelina Jolie fand er auch diesen glaubwürdigen Charakter und Jolie hat meiner Meinung nach jede Auszeichnung verdient. Jede Träne wirkt wie eine Odyssee an Schmerzen und man fühlt jeden Kummer. Und was für ein Kummer es ist - schließlich verliert sie ihren Sohn. Was noch schlimmer ist: Ein fremdes Kind wird als ihr eigenes ausgegeben. Jolie wußte es von Anfang an, jedoch stützen Beweise wie falsche Größe, andere Zähne oder Beschneidung ihre Gedanken. Man fühlt mit der Mutter und ist schockiert über das Vorgehen der Polizei, die sogar nicht davor zurückschreckt, sie in die Irrenanstalt einzuweisen, wo sie noch mehr Polizeigeschädigte vorfindet. Einzig ein Pfarrer in der Gestalt von John Malkovich mag ihr glauben und vor allen Dingen aktiv helfen. Starke Frauen sind in der heutigen Zeit keine Seltenheit mehr, aber für 1928 schon eine Rarität. In einem selbst brodelt der Hass gegen das Tun der Polizei, gegen jede Ungerechtigkeit, gegen jedes Vorurteil gegenüber Frauen und Müttern. Am Ende möchte man aufspringen und jubeln, wenn die Gerichtsbeschlüsse fallen. Der Sohn wird jedoch nie gefunden und man weiß nicht, ob er tot oder lebendig ist, aber zusammen mit Jolie mag man einfach nicht glauben, dass ihm etwas Schlimmes passiert ist und hofft weiter. Die Bilder sind recht einfach gehalten, faszinieren aber doch. Die Altersfreigabe von 12 geht in Ordnung. Auch wenn der Film scheinbar nicht aufhören mag und mehrere Enden zu haben scheint, da er in der Zeit etwas springt, so möchte man doch noch immer mehr erfahren und merkt die Laufzeit von 142 Minuten fast gar nicht. Diese wahre Geschichte ist jedenfalls der beste Film, den ich in letzter Zeit im Kino sehen durfte!

21.2.09 13:49

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